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Kopfschmuck für Mansfield


Roman
 
erschienen 1985 im Residenz Verlag
ISBN: 3-7017-0398-1
 
Rezension von Almuth Hochmüller,
Mannheimer Morgen 19. August 1985
 
Auf den Spuren von Katherine Mansfield
Über "Einundsiebzigundein Leben" schrieb der 1953 in
Oberösterreich geborene Germanist Erwin Einzinger in
dem vor zwei Jahren im Residenz-Verlag erschienenen
Buch mit dem umständlichen Titel "Das Erschrecken
über die Stille, in der die Wirklichkeit weitermachte".
Eigenwillig wie diese, in kurze Szenen zerfallende
Geschichte, ist auch der vorliegende Roman
"Kopfschmuck für Mansfield"
(Residenz-Verlag, Salzburg, 204 Seiten), der die
Lebensgeschichte des Erzählers Sandbach mit
Daten aus der Vitae der Neuseeländischen
Erzählerin Katherine Mansfield verknüpft.
 
Es ist angebracht, vorsichtig zu formulieren. Einzinger hat keine Biographie der früh verstorbenen Meisterin der englischen Short-Story geschrieben. Er läßt vielmehr seinen Protagonisten Sandbach während einer Reise durch Cornwall, wo sich Katherine Mansfield zu häufigen Kuraufenthalten aufhielt, auf deren Geschichten stoßen, die Sandbach verändert sich zu eigen macht. Verwandte Bezüge: auch Sandbach neigt zu gelegentlicher leichter Schwermut, übt sich darin, schreibend seine Beziehung zur Welt zu klären, wobei Stimmung und Gefühl, in zarter Heiterkeit angedeutet, wichtiger sind als greifbare Realitäten. "Von fern ein schwebender und sich im Wind verlierender Gesang", heißt es in der Beschreibung eines Sommertages und "ruhig trieben die Tage dahin", "Alles wie hinter Glas gesprochen". Eine poetische Prosa voll von impressionistischen Lyrismen, die in sparsamer Genauigkeit aneinandergereiht sind. Aus dem eigenen Erleben von Sandbach, der nach dem Dienst in einer psychiatrischen Klinik in einer Großgärtnerei arbeitet, danach Schlagbohrer verkauft und nebenbei schriftstellert, und den unvermittelt gegenübergestellten problematischen Lebensumständen der kranken Katherine Mansfield wächst eine komplexe, nicht leicht zu entwirrende Geschichte. "Sie fühlt sich wie eine in einen Milchkrug gefallene Fliege, herausgefischt, aber noch zu sehr voll von Milch, um mit dem Putzern zu beginnen. Vom Fliegen ist schon gar nicht die Rede. Sobald ihr Zimmer gemacht ist, will sie zu schreiben beginnen, Müde, deprimiert, aber draußen Knospen, Schönheit. Also!", So eine Passage über die Erzählerin Mansfield; pointiertes, mit feiner Ironie durchsetztes Sprechen ist das, dessen Reiz sich der Leser, hat er erst Zugang zu dem gedankenreichen Buch gefunden, nicht entziehen kann.

E r w i n    E i n z i n g e r